Gefangene des Monats

  • Vietnam: 14 Jahre Haft nach Einsatz für Religionsfreiheit

    Vietnam: 14 Jahre Haft nach Einsatz für Religionsfreiheit

    Frankfurt am Main. Zum Gefangenen des Monats September 2023 haben die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA den christlichen Missionar Y Pum Bya aus Vietnam benannt. Sie rufen zum Einsatz für den 59-Jährigen auf. Am 10. April 2018 wurde der Familienvater während einer Polizeirazzia gegen eine Hauskirche in der südvietnamesischen Provinz Dak Lak (Region Zentrales Hochland) festgenommen. Danach wurde er von der Polizei verhört und dabei geschlagen sowie mit Elektroschocks gefoltert.

    Er wurde gezwungen, in einer Erklärung schriftlich zu garantieren, die Gottesdienste in seiner „Good-News-Kirche“ zu beenden. Im Jahr zuvor hatten ihm die kommunistischen Behörden bereits die Registrierung seiner Gemeinde verweigert. Y Pum Bya gehört zur indigenen Volksgruppe der Montagnards im zentralen Hochland Vietnams. Wie häufig bei christlichen Montagnards wird ihm ein religiös motivierter Separatismus vorgeworfen. Zudem lautet die Anklage auf Verbreitung von Falschinformationen über die Verletzung der Minderheitenrechte und der Religionsfreiheit.

    Für Y Pum Bya ist dies nicht die erste Haft: Bereits am ersten Weihnachtstag 2002 war er wegen Teilnahme an friedlichen Protesten zu acht Jahren Gefängnis verurteilt wurden.

    Offiziell herrscht laut Verfassung in dem kommunistisch regierten Land Religionsfreiheit. Doch der christliche Glaube wird oft als westliche Religion angesehen und abgelehnt.

    Am 31. Januar 2019 wurde Y Pum Bya zu einer 14-jährigen Gefängnisstrafe verurteilt, die er ihm Gia-Trung-Gefängnis in der Provinz Gia Lai verbringt. Es wird sich laut Gerichtsurteil nach der Entlassung noch eine Bewährungszeit anschließen.

    Die IGFM und IDEA rufen dazu auf, in Briefen an den vietnamesischen Präsidenten Nguyen Xuân Phúc die Freilassung des Evangelisten Y Pum Bya fordern. Vietnam ist seit 1982 Vertragsstaat des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte.

    Die Appell-Adresse lautet:

    Staatspräsident Nguyen Xuan Phuc, via Botschaft der Sozialistischen Republik Vietnam, Elsenstraße 3, 12435 Berlin-Treptow.

    Sie können dafür den vorbereiteten Musterbrief verwenden:

  • Algerien: Seit 2021 inhaftierter Pastor freigelassen

    Algier (IDEA) – In Algerien ist der seit 2021 inhaftierte Pastor Hamid Soudad, ein leitender Repräsentant der dortigen evangelischen Kirche, freigelassen worden. Das teilte die christliche Menschenrechtsorganisation ADF International am 17. August mit.

    Der 44-jährige Konvertit war im Januar 2021 verhaftet und in einem Schnellverfahren wegen Beleidigung des islamischen Propheten Mohammed zur Höchststrafe von fünf Jahren Haft verurteilt worden. Ihm wurde vorgeworfen, im Internet 2018 eine Karikatur geteilt zu haben.

    ADF International hatte sich seit 2021 für die Freilassung des Christen eingesetzt. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA hatten ihn als „Gefangenen des Monats August 2021“ benannt und dazu aufgerufen, in Briefen an die Regierung für dessen Freilassung einzutreten.

    Die ADF-Direktorin für Globale Religionsfreiheit, Kelsey Zorzi (New York), erklärte jetzt: „Wir sind dankbar, dass Pastor Soudad endlich aus dem Gefängnis entlassen wurde, und hoffen, dass sein Fall ein Licht auf die Verfolgung von Christen und anderen religiösen Minderheiten in Algerien werfen wird.“ Niemand sollte für eine friedliche Meinungsäußerung bestraft, geschweige denn inhaftiert werden, so Zorzi.

    Die internationale Gemeinschaft müsse weiterhin für das Recht aller Algerier eintreten, ihren Glauben frei zu praktizieren, ohne Angst vor Verfolgung haben zu müssen. Die algerische Verfassung garantiert laut ADF die freie Meinungsäußerung und Religionsausübung. Algerien habe auch die wichtigsten Menschenrechtsabkommen unterzeichnet, die das Land verpflichten, das Recht auf Religions- und Meinungsfreiheit einzuhalten.

    Die Regierung schränke diese Rechte aber ein, etwa durch Blasphemiegesetze. Das Strafgesetzbuch verbiete Veröffentlichungen, die „gegen die islamischen Sitten“ verstießen. Außerdem sei die Regierung systematisch durch Kirchenschließungen und Razzien gegen die evangelische Kirche vorgegangen.

    Nach ADF-Angaben betrachten sich 99 Prozent der fast 43 Millionen Einwohner des nordafrikanischen Landes als sunnitische Muslime. Schätzungen zufolge leben rund 130.000 Christen in Algerien. Fast alle haben einen muslimischen Hintergrund.

  • China: Glaubensweitergabe „illegales Geschäft“? Pastor einer Freikirche verhaftet

    China: Glaubensweitergabe „illegales Geschäft“? Pastor einer Freikirche verhaftet

    Frankfurt am Main. Als Gefangenen des Monats August 2023 haben die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte“ (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA den chinesischen Pastor Deng Yanxiang benannt. Sie rufen zum Einsatz für ihn und drei weitere Mitglieder der Shengjia-Kirche aus Foshan-Shunde in der Provinz Guangdong auf. Am 24. Mai 2023 erschienen mehrere Dutzend Beamte, Sicherheitskräfte und Mitarbeiter der städtischen Aufsicht sowie des Amtes für religiöse Angelegenheiten und führten eine Durchsuchung der Kirche sowie des angrenzenden Schulungszentrums durch. Zunächst beschlagnahmten sie Unterrichtsmaterial. Daraufhin nahmen sie den evangelischen Gemeindeleiter sowie drei Mitarbeiter in Gewahrsam. Ihnen wird „illegale Geschäftstätigkeit“ vorgeworfen. Sie werden seither in Foshan im Nanhai-Distrikt-Gefängnis festgehalten und die Höchstdauer der gesetzlich begrenzten Untersuchungshaft ist bereits abgelaufen. In China sind Religionsgemeinschaften einer strengen Kontrolle durch die Kommunistische Partei unterworfen. Viele Christen – Schätzungen zufolge bis zu 130 Millionen – treffen sich in staatlich nicht registrierten Gemeinden. Die Behörden verunglimpfen deren Aktivitäten zum Zweck der Glaubensweitergabe in zahlreichen Fällen als Wirtschaftsdelikte, weil sie etwa Spenden für Zwecke ihrer Untergrundgemeinde sammeln und verwenden. Das staatliche Vorgehen verstößt gegen das Recht auf Religionsfreiheit, wie es in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte formuliert wurde.

    Die IGFM und IDEA rufen dazu auf, sich in Briefen an den chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping für die Freilassung des Pastors Deng Yanxiang einzusetzen. Die Verfassung des Landes garantiert „die Freiheit des religiösen Glaubens“.

    Die Appelladresse lautet: Staatspräsident Xi Jinping via Botschaft der VR China, Märkisches Ufer 54, 10179 Berlin, Fax 030-27588221.

    Sie können dazu den Muster-Appellbrief herunterladen und ausdrucken. Dieser ist lediglich um Absender, Datum und Unterschrift zu ergänzen:

    Bildrechte: Von Furfur (help with Chinese characterers by Newfitz Yo! and Unravel17 is gratefully acknowledged) – Eigenes Werk, based on Map-Qing Dynasty 1820.jpg, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75452637

  • Pakistan: Christ soll nach Blasphemie-Vorwurf gehängt werden

    Pakistan: Christ soll nach Blasphemie-Vorwurf gehängt werden

    Frankfurt am Main. Zum Gefangenen des Monats Juli 2023 haben die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA den pakistanischen Christen Nouman Asghar Masih benannt. Sie rufen dazu auf, sich für den 24-Jährigen einzusetzen. Der junge Mann wurde am 1. Juli 2019 wegen angeblicher Beleidigung des islamischen Propheten Mohammed festgenommen. Die Polizei drang damals mitten in der Nacht in das Haus der Familie ein und nahm ihn sogleich fest. Am 30. Mai 2023 erging schließlich in der pakistanischen Stadt Bahawalpur (Provinz Punjab) das Todesurteil. Seine Familie lebt von den bescheidenen Einkünften von Noumans Vater, der als Reinigungskraft in einem Geschäft arbeitet.

    Seiner Verteidigung zufolge entbehren die Vorwürfe jeglicher Grundlage: Er soll in einem öffentlichen Park um 3.30 Uhr in der Nacht einer Gruppe von neun bis zehn Menschen blasphemische Bilder gezeigt haben. Seine Familie bezeugt, dass er zu dem Zeitpunkt zu Hause in seinem Bett lag. Noumans Cousin, Sunny Waqas, wurde ebenfalls wegen angeblicher Gotteslästerung nur wenige Tage vor Nouman festgenommen; er kam am 3. Februar 2023 schließlich gegen Kaution frei, nachdem sich weltweit Menschen für seine Freilassung eingesetzt hatten.

    Mit Ihrem Appell an den pakistanischen Staatspräsidenten Arif Alvi leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Freilassung des Inhaftierten und dessen Sicherheit.

    Die Appell-Adresse: Staatspräsident Arif Alvi via Botschaft der Islamischen Republik Pakistan, Schaperstr. 29, 10719 Berlin, Fax 030 21244210.

    Für den Appell können Sie den Musterbrief (siehe unten) herunterladen, der nur um Absender, Datum und Unterschrift zu ergänzen ist.

  • Iran: Gefängnis für Glaubenswechsel

    Iran: Gefängnis für Glaubenswechsel

    Juni 2023. Als „Gefangene des Monats“ haben die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA die iranische Christin Sakineh Mehri Behjati benannt. Sie rufen dazu auf, sich für die ehemalige Muslimin einzusetzen. Behjati gehört der Hauskirche „Kirche des Iran“ in der nordiranischen Stadt Rascht an. Wegen dieser Mitgliedschaft wurde sie erstmals im Februar 2020 zusammen mit ihrem Neffen Hadi Rahimi, Gefangener des Monats März 2022, und einem Ehepaar festgenommen. Hausdurchsuchungen gingen der Festnahme voraus; Verhöre durch einen iranischen Geheimdienst folgten. Später kamen alle vier gegen Hinterlegung einer Kaution frei. Im August 2020 verurteilte das Revolutionsgericht Behjati zu einer zweijährigen Haftstrafe. Die Vorwürfe lauteten: Gefährdung der nationalen Sicherheit, Teilnahme an Hauskirchenversammlungen sowie angebliche „zionistisch-christliche Mission“. Behjati ging gegen das Urteil in Berufung. Ihr Antrag wurde jedoch im September 2020 zurückgewiesen. Seit 16. April 2022 befindet sie sich in Haft. Zunächst kam sie ins berüchtigte Evin-Gefängnis in der iranischen Hauptstadt Teheran, wurde dann aber in die Haftanstalt Lakan in Rascht überstellt. 

    Bitte, appellieren Sie an den iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi und bitten um sofortige und bedingungslose Freilassung des Inhaftierten. Dazu können Sie den vorbereiteten Musterbrief herunterladen und ausdrucken. Er ist lediglich um Absender, Datum und Unterschrift zu ergänzen. Die Appelladresse lautet:

    Seine Exzellenz Präsident Ebrahim Raisi, via Botschaft der Islamischen Republik Iran, Podbielskiallee 65-67, 14195 Berlin, Fax 030 84353165