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  • Vietnam: Hohe Haftstrafe wegen angeblicher Gefährdung der nationalen Einheit

    Vietnam: Hohe Haftstrafe wegen angeblicher Gefährdung der nationalen Einheit

    Frankfurt am Main (05.11.25). Zum Gefangenen des Monats November 2025 haben die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA den evangelischen Christen Rlan Thih aus Vietnam benannt. Sie rufen zum Einsatz für den 45-Jährigen auf. Der evangelische Christ, der der Minderheit der Montagnards angehört, wurde am 19. Dezember 2022 festgenommen. Am 28. September 2023 erfolgte die Verurteilung in der Provinz Gia Lai zu acht Jahren Gefängnis und einer anschließenden dreijährigen Bewährungsstrafe wegen „Untergrabung der Politik der nationalen Einheit“. 

    Thih wird zur Last gelegt, über einen Zeitraum von 15 Jahren Angehörige ethnischer Minderheiten überredet zu haben, sich einer bestimmten evangelischen Gemeinschaft anzuschließen. Er habe sich dazu vom Ausland aus anweisen lassen. Seine Gruppierung sei in Pläne zur Loslösung eines Territoriums für ethnische Minderheiten im zentralen Hochland Vietnams verstrickt. Dieser Vorwurf wird häufig gegen Angehörige der Minderheit der Montagnards erhoben, wenn sie einer nicht registrierten christlichen Gruppe angehören. Die Montagnards setzen sich aus etwa 30 indigenen Stämmen zusammen. 

    Die kommunistische Regierung nennt sie abschätzig „Dega-Protestanten“. Tatsächlich treten viele christliche Montagnards offen für die Achtung des Rechts auf Religionsfreiheit ein; so verteidigte auch Rlan Thih dieses Menschenrecht. Vietnam ist Vertragsstaat des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte, der in Artikel 18 das Recht auf Religionsfreiheit garantiert.

    Bitte, appellieren Sie an den vietnamesischen Staatspräsidenten Luong Cuong und bitten Sie ihn, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um auf die Freilassung Rlan Thihs hinzuwirken. Dazu können Sie den beigefügten Muster-Appellbrief herunterladen, der nur um Absender, Datum und Unterschrift zu ergänzen ist. Die Appelladresse lautet: Staatspräsident Luong Cuong c/o Botschaft der Sozialistischen Republik Vietnam, Elsenstr. 3, 12435 Berlin-Treptow.

  • Rückblick auf die Buchmesse

    Rückblick auf die Buchmesse

    Die IGFM auf der Frankfurter Buchmesse 2025: Menschenrechte im Fokus 

    Vom 15. – 19. Oktober traf man uns auf der größten Buchmesse der Welt

    In diesem Jahr war die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) mit einem eigenen Stand auf der Frankfurter Buchmesse – der größten Buchmesse der Welt – vertreten. Vom 15. bis 19. Oktober 2025 konnte man uns in Halle 3 (3.1 K67) besuchen und sich über unsere aktuelle Arbeit und Publikationen informieren. 

    Neue Dokumentation: Menschenrechte in besetzten ukrainischen Gebieten  

    Ein Schwerpunkt war die Vorstellung unserer neuen Dokumentation über die Lage in den von russischen Truppen besetzten Gebieten der Ukraine. Die Publikation bietet fundierte Einblicke, Augenzeugenberichte und Analysen zu Menschenrechtsverletzungen, Repressionen und der humanitären Lage in den betroffenen Regionen. 

    Darüber hinaus informierten wir über unsere internationale Menschenrechtsarbeit, mit einem besonderen Fokus auf das Schicksal verschleppter ukrainischer Zivilisten und politischer Gefangener in Russland, im Iran und weltweit. 

    Begegnungen und Austausch  

    Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, sich mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort zu unterhalten. In den fünf intensiven Messetagen führten wir zahlreiche interessante Gespräche über unsere Arbeit, aktuelle politische Entwicklungen und tauschten uns darüber aus, wie man mit den Herausforderungen unserer Zeit umgehen kann. 

    Auf der Messe fand man nicht nur viele Bücher, sondern auch unzählige interessante Aussteller. Unter anderem kamen wir in Kontakt mit dem „Pen-Zentrum Deutschland“, eine Vereinigung, die verfolgten und unterdrückten Schriftstellern eine Stimme gibt. Außerdem waren wir im Austausch mit den Iranischen Liberalen Frauen e.V., ein Verein, der sich für die Stärkung der Frauen des mittleren Ostens in Deutschland und darüber hinaus einsetzt. Die IGFM und der Verein haben in der Vergangenheit gemeinsam Pressekonferenzen und Veranstaltungen organisiert, mit dem Ziel, die Menschenrechte im Iran und im Nahen Osten nachhaltig zu fördern. 

    Politische Unterstützung 

    Wir freuten uns besonders über den Besuch der Bürgermeisterin Dr. Nargess Eskandari-Grünberg sowie den Besuch der langjährigen IGFM-Unterstützer Michael Gahler (MdEP) und Omid Nouripour, Vizepräsident des deutschen Bundestages (Bündnis 90/Die Grünen). Ihre Solidarität und ihr Interesse an unserer Arbeit mitzuwirken, bestärken uns in unserem Einsatz für Menschenrechte weltweit. 

    Wir bedanken uns bei allen Interessentinnen und Interessenten für ihren Besuch! 

    Die Frankfurter Buchmesse war für uns eine wichtige Plattform, um auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen und neue Bekanntschaften zu knüpfen. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit und auf die nächste Buchmesse!  

  • Nicaragua: Pastor trotz schwerer Erkrankung willkürlich eingesperrt

    Nicaragua: Pastor trotz schwerer Erkrankung willkürlich eingesperrt

    Frankfurt am Main. Zum Gefangenen des Monats Oktober 2025 haben die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA den evangelischen Pastor Rudy Palacios Vargas aus Nicaragua benannt. Der Gründer der kirchlichen Gemeinschaft „La Roca de Nicaragua“ („Der Fels von Nicaragua“) wurde am Abend des 17. Juli 2025 in Jinotepe, der Hauptstadt des Bezirks Carazo im Südwesten des Landes festgenommen. Ebenso wurden vier Familienangehörige sowie eine Freundin und zwei Freunde abgeführt.

    Bewaffnete Polizisten drangen, unterstützt von Hilfskräften, mit Gewalt in die Wohnungen der Christen ein. Sie beschlagnahmten dabei auch Mobiltelefone und andere elektronische Geräte. Der Pastor wurde laut Medienberichten zusammen mit vier weiteren der Festgenommenen in das berüchtigte Gefängnis von Granada an der Westküste verlegt, das „La Granja“ genannt wird. Ihnen wird Verschwörung zur Untergrabung der nationalen Integrität und Hochverrat vorgeworfen.

    Im Jahr 2019 wurde der Gemeinschaft bereits die rechtliche Zulassung entzogen; mehrere Mitglieder wurden von Sicherheitskräften ermordet und ihr Kirchengebäude beschlagnahmt. Vorübergehend im Exil, kehrte der Pastor dennoch in seine Heimat zurück, nachdem er an Krebs erkrankt war. Daher sorgen sich Beobachter derzeit insbesondere um seinen Gesundheitszustand.

    IGFM und IDEA bitten darum, in Appellen an Präsident Daniel Ortega über die zuständige diplomatische Vertretung in Wien die sofortige Freilassung des Pastors, seiner Familienmitglieder und Freunde zu fordern. – Herzlichen Dank im Voraus für Ihre Unterstützung!

    Die Appelladresse lautet: Präsident Daniel Ortega, c/o Botschaft der Republik Nicaragua, Prinz-Eugen-Str. 18, Stiege 1, Top 34, A-1010 Wien.

    Sie können auch den Muster-Appellbrief verwenden; er steht hier zum Download bereit:

  • Herzliche Einladung zur Pressekonferenz:

    Herzliche Einladung zur Pressekonferenz:

    Wir ziehen Bilanz: Religionsfreiheit weltweit 2025

    Termin: 15. Oktober 2025

    Ort: Evangelische Allianz in Deutschland e.V.,
    Behrenstraße 73, Berlin (und via Zoom)

    Beginn: 14 Uhr

     

     

    Liebe Kolleginnen und Kollegen,

    staatliche Verfolgung, extremistische Gewalt, imperiales Dominanzstreben und antireligiöse
    Diskriminierung bedrohen die religiöse Selbstbestimmung. Die Nachrichten sind voll von Berichten
    über Angriffe und Anschläge auf Gläubige der verschiedensten Religionen. Die Sorge um
    Religionsfreiheit wächst weiter. Wir berichten, analysieren und bilanzieren die Lage der
    Menschenrechte und Religionsfreiheit im Jahr 2025. Dazu laden wir Sie herzlich ein.

    Folgende Expertinnen und Experten informieren und beantworten Ihre Fragen:

     

    Thomas Rachel, MdB, Beauftragter der Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit,

    Prof. Dr. mult. Thomas Schirrmacher, Präsident des Internationalen Rates der IGFM, Präsident des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit und Gründungsherausgeber der Jahrbücher Religionsfreiheit,

    Lars Rohwer, MdB, Vorsitzender des Stephanus-Kreises der CDU/CSU-Bundestagsfraktion,

    Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft,

    Martin Lessenthin, Menschenrechtsexperte, Historiker und Mitherausgeber der Jahrbücher,

    Shirin Kamal, Vorstandsmitglied der koptischen Menschenrechtsorganisation EUCHOR

    Alina Braml, Baha’i Gemeinde zu Iran und Ägypten,

    Martin Warnecke, Mitherausgeber der Jahrbücher und Historiker,

    Johann Matthies, Politikbeauftragter der Evangelischen Allianz in Deutschland,

    Matthias Böhning, Generalsekretär ISHR – International Society for Human Rights (Moderation).

     

    Anmeldung zur persönlichen Teilnahme in Berlin oder via Zoom bitte an buero.berlin[@]ead.de

    Gerne vereinbaren wir für Sie auch Interviews und Hintergrundgespräche mit den Rednern der
    Pressekonferenz und anderen Autorinnen und Autoren der Jahrbücher.

     

    Mit freundlichen Grüßen,

    Matthias Böhning
    für die ISHR – International Society for Human Rights/ Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)

    Valerio Krüger
    für den Vorstand der deutschen IGFM Sektion

  • Pressekonferenz: Okkupierte Gebiete in der Ukraine

    Pressekonferenz: Okkupierte Gebiete in der Ukraine

    Frankfurt am Main, 24. September 2025 – Russland hält weiterhin rund 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets besetzt und setzt die Menschen dort einer umfassenden Zwangsrussifizierung aus. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) schätzt, dass derzeit noch ca. 3,5 Millionen Menschen dort leben. Mit Filtrationslagern, Massenverschleppungen und Folter geht das Okkupationsregime mit systematischem Terror vor. Tausende ukrainische Zivilisten würden ohne Gerichtsverfahren in russischen Gefängnissen festgehalten. Alle demokratischen Regierungen weltweit seien gefordert, die russischen Kriegsverbrechen zu ahnden, zudem dürften Land und Menschen nicht als Verhandlungsmasse missbraucht werden, mahnt die IGFM an.

    „Die IGFM fordert die Bundesregierung auf, die Ukraine mit allen möglichen Mitteln zu unterstützen und der möglichen Straflosigkeit der russischen Kriegsverbrechen entgegenzuwirken.“, erklärt Valerio Krüger, Vorstandssprecher der IGFM.

    Erhebliche Einschränkungen ohne russischen Pass

    Seit Anfang 2025 gelten in den besetzten Gebieten alle Personen ohne einen russischen Pass als „ausländische Staatsbürger“ und verlieren Zugang zu medizinischer Versorgung, Bank- und Sozialleistungen. Zudem könne ihr Besitz in Staatseigentum überführt und sie jederzeit ausgewiesen werden. Der Zwang zur Annahme der russischen Staatsangehörigkeit reiche bis in Entbindungsstationen. Dort wurde sogar Müttern mit Kindesentzug gedroht, wenn nicht mindestens ein Elternteil die russische Staatsbürgerschaft besitze, so die IGFM.

    Prozess der Filtration – Gewaltsame Verhöre und Durchsuchungen

    In sogenannten „Filtrationslagern“ werden Ukrainer auf massive und brutale Weise entmenschlicht und gefoltert. Dies beinhaltet Zwangsuntersuchungen des Körpers nach proukrainischen Tätowierungen und Durchsuchungen der Wohnungen, Privatsachen und Mobiltelefonen. Außerdem gehören dazu langwierige gewaltsame Verhöre, Anwendung von Lügendetektoren, physische Gewalt und Einschüchterung.

    Zwangsrussifizierung & russisch-patriotische Erziehung

    In den besetzten Gebieten wird eine umfassende kulturelle und sprachliche Russifizierung sowie Erziehung zu „russischem Patriotismus“ betrieben. So ist seit Anfang 2023 Ukrainisch als Unterrichtssprache verboten. Der Schulalltag beginnt mit dem Hissen der russischen Flagge und dem Singen der russischen Hymne. Zudem werden die Kinder zum Schreiben von „Dankesbriefen“ an russische Soldaten verpflichtet, während Schulmaterialien die Existenz der Ukraine als eigenständigen Staat leugnen. Die IGFM fordert eine internationale Untersuchung dieser Indoktrinationsmaßnahmen an ukrainischen Kindern und Zivilisten.

    Inhaftierungen von Zivilisten und systematische Folter

    Laut Angaben der IGFM befinden sich tausende unschuldige ukrainische Zivilisten ohne Gerichtsverfahren in russischen Gefängnissen. Russland verweigert systematisch Zugang zu diesen Haftanstalten. So erhalten weder ukrainische Behörden und Angehörige der “Häftlinge”, noch UN, OSZE und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) Einlass. Auch ist der Austausch der zivilen Gefangenen bislang nicht Teil offizieller Vereinbarungen. Freigelassene berichten von schwersten Misshandlungen und grausamer Folter: Schläge, Elektroschocks, Hinrichtungsdrohungen, Scheinhinrichtungen, langwierige Stresspositionen und oft sexueller Missbrauch.

    Hintergrund zu den besetzten Gebieten

    Zu den von Russland besetzten Gebieten in der Ukraine zählen neben der bereits 2014 annektierten Halbinsel Krim die sogenannten „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk sowie Teile von Saporischschja und Cherson. Am 30. September 2022 erklärte Russland diese vier Regionen nach international nicht anerkannten Scheinreferenden zu russischem Staatsgebiet – obwohl bis heute keine vollständige militärische Kontrolle besteht.

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    Anlässlich der Veröffentlichung der neuen IGFM-Dokumentation „Das Grauen in meinem Haus“ veranstaltete die IGFM eine Pressekonferenz, in der  wir gemeinsam mit Experten und Betroffenen über die prekäre Situation in den von Russland besetzten Gebieten berichteten: von Zwangsfiltration und Passzwang über die Russifizierung von Bildung und Kultur bis hin zu Massenverschleppungen und Folter.

    Die Aufnahme der Konferenz anschauen: